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Qualitätssicherung

Systemaufbau

Realisierung

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A.        Einleitung

1.         Was ist Qualitätssicherung?

Dieses Handbuch dient zur Formulierung der Maßnahmen und Aktivitäten, die zur Sicherstellung einer konstanten Professionalität der Betreuungsarbeit notwendig sind. Ausgehend von den im Teil B beschriebenen Grundsätzen als Maßstab für die Qualität der Betreuungsarbeit sorgt die Qualitätssicherung für Prozeduren, die die gleichmäßige Einhaltung der erforderlichen Arbeitsschritte sicherstellen soll. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Entwicklung von Standards der betreuerischen Arbeit erst seit Einführung des Betreuungsgesetzes 1992 einsetzte und allgemein verbindliche Grundsätze nicht gegeben sind. Der Berufsbildungsprozess des Berufsbetreuers ist noch lange nicht abgeschlossen und setzt sich aus vielen unterschiedlichen Facetten persönlicher Entwicklung, gesellschaftlicher Prozesse, gerichtlicher Entscheidungen, verbandspolitischer Strukturen u.v.m. zusammen. Einigkeit besteht weitgehend hinsichtlich der Notwendigkeit der Entwicklung verbindlicher Normen für die Betreuungsarbeit. Das Folgende soll als Beitrag zu dieser Entwicklung gedacht sein.

Maßstab für die Qualität soll nach der Vorgabe des Betreuungsgesetzes das Wohl des Betreuten sein. Die Güte der Betreuungsarbeit ist also am Qualitätsurteil des Klienten zu messen, da sein Wohl verpflichtend für die Entscheidungen des Betreuers zu sein hat. Abgesehen von den vielen Fällen, in denen das Wohl gar nicht oder nur mutmaßlich feststellbar ist, wird andererseits auch offenbar, daß dieses Wohl weitgehend gesellschaftliche Normen impliziert – Betreute sich aber häufig gerade gesellschaftlichen Normen entziehen. Immer wieder wird vor allem am Schmiermittel dieser Gesellschaft, dem Geld, deutlich, welch unterschiedliche und auch gegensätzliche Erwartungen das „Wohl“ eines Menschen ausmachen: der Betreute gibt es für seine Zwecke aus, die Verwandtschaft meint, er solle es sparen, der Betreuer, er solle es für etwas anderes ausgeben, das Gericht, es müsse ordentlich gebucht werden. Was also ist „das Wohl“? Ähnlich schwierige Fragen ergeben sich aus gesundheitlichen Problemen. Dazu später mehr.

Ganz offensichtlich – und ich meine, daß das ein Vorteil dieser Gesellschaft ist – gibt es sehr divergierende Ansichten über das, was dieses Leben in diesem Land sinnerfüllt, lebenswert macht; und ebenso offensichtlich ist sich diese Gesellschaft darin einig, daß die Verfolgung der eigenen Interessen den Kern staatsbürgerlichen Handelns ausmacht – auch auf Kosten und zu Lasten anderer. Anders wäre es nicht notwendig, für die, die sich dieser Interessendurchsetzung aus welchen Gründen auch immer nicht anschliessen, das gesetzliche Instrument der Betreuung zu schaffen.

Betreuungsarbeit vollzieht sich also in einem Spannungsfeld gesellschaftlicher Wirklichkeit und kann schon deshalb keine allgemein gültigen Maßstäbe aufweisen, wenn man von handwerklichem Können einmal absieht (daß der Betreuer Briefe schreiben, Anträge ausfüllen, Gespräche führen, Termine einhalten kann, sollte selbstverständlich sein). Letztgültiger Maßstab nach Abwägung aller erreichbarer Ansichten bleibt demzufolge der persönliche des Betreuers, sein Gewissen ist im Zweifel seine Richtschnur.

2.         Aufbau des Systems

In diesem Handbuch sollen alle Arbeitsabläufe der Betreuungsarbeit zusammengefasst, dokumentiert, bewertet, kritisiert und ggf. angepasst werden. Es ist zunächst ein Handbuch für den eigenen praktischen Gebrauch, das gewährleisten soll, daß Abläufe und Bewertungsmaßstäbe stets nach den gleichen Kriterien stattfinden. Dieses Handbuch ist zugleich ein work in progress, vermutlich wird es nie fertig, weil die Betreuungsarbeit stetem Wandel unterliegt und das Lernen des Betreuers nie aufhört. Es vermittelt also jeweils immer den aktuellen Stand der Bemühungen.

Dazu werden im Teil B die grundlegenden Werte der Betreuungsarbeit an Hand des Logos benannt, der Begriff des Wohls des Betreuten als gesetzliche Vorgabe diskutiert und problematisiert. Weiter werden die gesetzlichen Grundlagen der Betreuungsarbeit besprochen und schließlich die Rolle des Amtsgerichtes in Person des Richters und des Rechtspflegers und die Aufgabe der Betreuungsbehörde sowie anderer Behörden im Zusammenhang mit der Betreuungsarbeit benannt.

Teil C beschreibt zunächst die gesetzlichen Vorschriften bei der Betreuungsübernahme, die rechtliche Durchführung vom Ausgangspunkt einer Betreuungsanregung bis zur Betreuerbestellung sowie die praktische Durchführung. Als Anlage werden Musterbriefe dokumentiert. Außerdem wird die Frage der Alternativen zur Betreuung diskutiert: Vorsorgevollmachten, Patiententestamente etc.

In Teil D geht es um die Betreuungsplanung: welche Grundsätze liegen einer Betreuungsplanung zugrunde, an welchen Kriterien soll die Betreuungsarbeit ausgerichtet werden; Fragen der Zielformulierung und Berücksichtigung von Individualität spielen eine Rolle.

Im Teil E werden die möglichen Aufgabenkreise und ihre Besonderheiten in der Betreuungsarbeit besprochen: die häufigsten wie Vermögenssorge, Aufenthaltsbestimmungsrecht, Gesundheitssorge und Vertretung gegenüber Institutionen in der Hauptsache, andere werden folgen.

Der datenreichste Abschnitt ist der Teil F, der die Durchführung der Betreuungsarbeit beschreibt: die Durchführung von Besuchen, die Kommunikation mit der oder dem Betreuten, die Verwendung möglicher Kommunikationswege unter personalen, kommerziellen und datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten und als zweiten zentralen Teil: die Datenverarbeitung und –verwaltung.

Teil G benennt die Gründe für eine Beendigung einer Betreuung und die Schritte bei der Durchführung.

Im Teil H sollen Arbeitsschritte zur Prüfung des Ablaufes und zum Sicherstellung der Qualität im einzelnen konkretisiert werden.

Daraus und aus anderen Gründen ergeben sich u. U. die Notwendigkeit von Fortbildungen, die in Teil J besprochen werden.

Schließlich werden im Teil K die Speicherungen der Dokumentationsunterlagen des Handbuches realisiert.

 

3.         Realisierung des Systems

Das Qualitätssicherungssystem nimmt seinen Ausgang bei den praktisch anfallenden Arbeitsschritten, die entsprechend der Lebensvielfalt und der sich daraus ergebenden Betreuungsarbeit alle Aspekte menschlicher Lebensäußerungen umfassen. Jede einzelne Betreuung erfordert stets nur einen Ausschnitt aus dem Katalog möglicher Betreuertätigkeit.  Es folgt hier zur Übersicht ein Tätigkeitskatalog, wie ihn der Bundesverband der Betreuer-/innen in seinem Verbandorgan im Oktober 1999 mitgeteilt hat.