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Betreutes Wohnen
a) Soziale und berufliche Reintegration
(1) Aufgabenkatalog, auch für Betreuer geeignet

Entnommen aus: Modellprojekt - Nachsorgendes Wohnen für psychisch kranke Jugendliche und junge Erwachsene in Verbindung mit tagesstrukturierenden Hilfen zum Integrativen Reha-Projekt Wohnen-Arbeit-Freizeit (WAF). Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit, Bd. 48. Baden-Baden, 1993, S. 38ff

(a) Aufgaben der Mitarbeiterinnen und Qualifikationsmerkmale

(i) Aufgaben der Mitarbeiterinnen
Das nachfolgend skizzierte Leistungsprofil wird unterteilt in die Bereiche medizinische, soziale und berufliche Rehabilitation. Innerhalb dieser Bereiche werden die Tätigkeiten wiederum untergliedert in Organisation, Administration, pädagogische Begleitung/Anleitung und Kooperation/Vernetzung.
Dem Problembereich Konfliktbearbeitung und Krisenintervention ist ein eigener Punkt gewidmet, da er alle Rehabilitationsbereiche berührt. Anschließend wird näher auf die Qualifikationsmerkmale der Mitarbeiterinnen eingegangen.

(a) Medizinische Rehabilitation
Organisation:
- Zusammenstellung der bisherigen Krankengeschichte (somatische und psychiatrische stationäre, teilstationäre und ambulante Behandlungen) und Diagnosen über Arzt- und/oder Sozialberichte bzw. im persönlichen Gespräch mit den behandelnden Ärzten
- Kontaktaufnahme zum behandelnden Arzt (ambulant) bzw. Kontaktanbahnung
- Wissen um unterschiedliche stationäre, teilstationäre und ambulante psychiatrische und somatische Behandlungsmöglichkeiten und Auswahl geeigneter Einrichtungen im Bedarfsfall
- nach stationärem Aufenthalt Planung und Durchführung von Maßnahmen mit dem Ziel der 'Wiedereingliederung'
- Arbeitstherapie und Belastungserprobung.
Administration:
- Beantragung und Durchsetzung medizinisch-rehabilitativer Maßnahmen oder sonstiger medizinischer Unterstützung bei den Krankenkassen oder den Trägern der Sozialhilfe (örtliches Sozialamt, Landschaftsverband).
Pädagogische Begleitung/ Anleitung:
- Medikamentenüberwachung
- Auseinandersetzung mit dem Thema 'psychische Erkrankung', 'Medikamente' usw.
- Motivation der BewohnerInnen zu psychiatrischer Behandlung
- Hinführung und Begleitung der BewohnerInnen zu psychiatrischer Behandlung
- im Fall eines stationären Aufenthaltes regelmäßiger persönlicher Kontakt zur BewohnerIn
- Übernahme (nach stationärem Aufenthalt) und Rückführung in die Wohngemeinschaft
- Krisenintervention.
Kooperation/Vernetzung:
- regelmäßiger Austausch mit den ambulant behandelnden PsychiaterInnen
- enge Kooperation und Abstimmung mit stationären und teilstationären psychiatrischen Einrichtungen (über regelmäßige persönliche Kontakte und telefonisch)
- Absprachen über Behandlungsziele und -dauer
- Vorbereitung der stationären Aufnahme in Kooperation mit den niedergelassenen Fachärzten, Vorbereitung und Entlassungsgespräch in Zusammenarbeit mit der stationären bzw. teilstationären Einrichtung
- regelmäßige Arbeitstreffen mit allen psychiatrisch Tätigen vor Ort im 'Psychosozialen Forum'.

(b) Soziale Rehabilitation
Organisation:
- Wohnraumbeschaffung bzw. -Vermittlung
- über Umbaumaßnahmen die Eignung für WG schaffen und mit dem Vermieter aushandeln
- Renovierung organisieren und koordinieren
- Einrichtung der Küche und der Gemeinschaftsräume über Möbellager und Sozialamt (z. B. Organisation einer Waschmaschine/Hausrat besorgen)
- Klientin bei Wohnungseinrichtung unterstützen (Mobiliar / Hausrat)
- Schuldenregulierung
- Ferienfreizeit, Tagesfahrten, Sportangebot, WAF-Vollversammlungen L -
- Planung der Verselbständigung nach der WAF-Phase.
Administration
- Unterstützung bei der Sicherung der materiellen Existenz (Sozialhilfeanträge mit
jeder BewohnerIn stellen, Beihilfen beantragen für Einrichtung, Bekleidung u. ä.
und Ansprüche durchsetzen, Wohngeld beantragen), Kindergeld beantragen
bzw. Ansprüche überprüfen
- Einwohnermeldeamt (Um- bzw. Anmeldung)
- Meldung beim Arbeitsamt, ggf. Begründung, auch über medizinische Gutachten,
warum eine Arbeitsunfähigkeit vorliegt
- Einrichtung eines Kontos mit entsprechenden Daueraufträgen.
Pädagogische Begleitung/Anleitung
- gemeinsame Kontoführung
- Unterstützung und Hinführung zu selbständiger Haushaltsführung (Erklärung der Waschmaschine, gemeinsame Mahlzeiten zubereiten mit entsprechenden Einkäufen, gemeinsame Putztage mit Erklärung, was und vor allem wie die Reinigung zu praktizieren ist, gemeinsame Gartenarbeit mit Erklärung, wie und was in einem Garten zu pflegen und zu beachten ist)
- gemeinsames Erkunden der näheren Umgebung und der Stadt (Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Banken, Kinos, Ämter usw.)
- Hilfen zur Tagesstrukturierung und zum Erhalt bzw. Aufbau sozialer Kontakte (z. B. Motivierung zum Besuch des Tageszentrums)
- Unterstützung bei der Freizeitgestaltung (z. B. gemeinsame Nutzung von lokalen Freizeitangeboten).
Kooperation/Vernetzung
- Abstimmung mit dem Hausmeister des Caritasverbandes, der auch für die Instandhaltung der Wohngemeinschaften zuständig ist
- Kontakte zum Vermieter
- Kontakte zu Mitarbeiterinnen des Tageszentrums, da z. B. die Kochgruppe von einigen WAF-Bewohnerlnnen genutzt wird
Arbeitskreise zum Thema 'Wohnen für psychisch Kranke' (regional /überregional)
- Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft (PSAG)

(c) Berufliche Rehabilitation

Organisation
- Rekonstruktion der beruflichen Vorerfahrungen
- individuell abgestimmte Reha-Planung.
Administration
- Absicherung der Finanzierung von Maßnahmen beruflicher Rehabilitation, entweder über das Arbeitsamt (auch Berufsberatung) oder das Sozialamt.
Pädagogische Begleitung/Anleitung:
- Hinführung zu und Begleitung bei Maßnahmen der Arbeitserprobung, Berufsorientierung und -Vorbereitung, Ausbildung, Fortbildung und Umschulung
- sonstige Hilfen zur Förderung einer Erwerbs- oder Berufstätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt oder in einer WfB; Hinführung und Begleitung von niedrigschwelligen Beschäftigungsangeboten
Kooperation/Vernetzung
- regelmäßiger Arbeitskreis 'Arbeit für psychisch Kranke' mit MitarbeiterInnen der unterschiedlichsten Einrichtungen und der Arbeitsverwaltung
- überregionaler Arbeitskreis, um neue Ideen und Anregungen zur Weiterentwicklung zu erhalten
- regelmäßige Zusammenarbeit mit der Arbeitsverwaltung und Maßnahmeträgern während der Maßnahme der beruflichen Rehabilitation einer BewohnerIn
- Beratung von Arbeitgebern bzw. Maßnahmeträgern
- Krisenintervention am Arbeitsplatz.