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Choral? Was ist das?

Schola? Was ist das?

Scintilla animae? Was heißt das?

Choralschola Scintilla animae

Choral? Was ist das?

Choräle sind nicht nur Lieder, die Sie aus ihrem Gesangbuch kennen, auch nicht nur die kleinen Halleluja-Rufe oder ein gesungenes Vaterunser. Es gehören dazu auch - und dieser Teil ist der weitaus größere - die Vertonungen von Texten aus der Bibel, der Psalmen vor allem, die wir unter dem Stichwort "Gregorianik" zusammenfassen. Es sind dies einstimmige Gesänge, die für die Liturgie der frühen christlichen Kirche entstanden sind.

"Die ältesten Zeugnisse der Texte der gregorianischen Gesänge finden sich in Meßbüchern des 8. und 9. Jahrhunderts, die ältesten Aufzeichnungen der Melodien in Neumenhandschriften des 10. und 11. Jahrhunderts." (Agustoni) Ursprünglich lateinisch gesungen, traten schon bald Übersetzungen in die damalige deutsche Sprache hinzu. Reformation und katholische Liturgiereform drängten das Lateinische weiter zurück. Für beide Sprachen gilt: "Gregorianischer Choral ist von seinem Wesen her Verkündigung und Gebet." (Agustoni) Deshalb hat er seinen vornehmlichsten Platz auch heute noch im Gottesdienst in Klöstern und Kirchen.

Schola? Was ist das?

Die Schola ist seit frühester christlicher Zeit (vermutlich um das Jahr 330) der Ort, an dem das Singen dieser Choräle gelernt wird. Und zu lernen ist viel: wie sahen die frühesten Noten, die Neumen, aus und wie kann man sie heute lesen? Was bedeuten die lateinischen Texte und wie verstehen wir sie heute? Wie gestaltet man einstimmige Melodien, die nur aus schriftlicher Überlieferung bekannt sind, und wie dürfen wir sie heute singen? Welche Ordnung der Töne liegt den Gesängen zugrunde und wie müssen wir heute unsere Ohren öffnen, um sie richtig wahrzunehmen? Welche Bedeutung hatten Liturgieteile früher, wie stehen wir heute nach der Reformation und Vatikanischen Konzilen - und unter dem Aspekt des Zusammenwachsens der Kirchen - zu ihnen?

Scintilla animae - Was heißt das?

Der Name unserer Choralschola heißt aus dem Lateinischen übersetzt: Seelenfunke. Der Ausdruck Funke reiht sich ein in die lange Kette von Symbolen von Licht und Feuer als Verbindung Gottes mit den Menschen: vom sagenhaften Feuer, das der Göttersohn Prometheus für die Menschen vom Himmel holt, über den Beginn der biblischen Schöpfungsgeschichte: "Und Gott sprach: Es werde Licht!" und vielen weiteren Stellen im Alten Testament bis zum Symbol für Christus, dem Stern über Bethlehem.

Schillers Ode "Freude, schöner Götterfunken" verwendet dieses Bild, und auch heute noch sprühen wir gelegentlich vor Begeisterung Funken.

Genauso alt wie das Bild vom göttlichen Licht ist das der Seele als Ort der Begegnung mit Gott. Von Augustinus (um 400) stammt der Vergleich der drei Seelenkräfte Vernunft, Wille und Erinnerung mit den drei Personen Gottes, der Dreifaltigkeit, von Ambrosius aus etwa der gleichen Zeit die Bitte: "Du Licht, durchdringe unsern Geist." Auf dem Grund der Seele kann der Mensch sich Gott zuwenden, kann mit ihm eins werden: die Sehnsucht nach der unio mystica, der mystischen Vereinigung ist heute so aktuell wie zu Beginn der Christenheit.

Eine besonders wichtige Rolle spielte das Seelenfünklein als Ausdruck der Begegnung mit Gott in den aufgewühlten Zeiten des Mittelalters. Meister Eckhart (1260-1327) sagt: "Wenn sich der Mensch von sich selbst und von allen geschaffenen Dingen abkehrt, so weit du das tust, so weit wirst du geeint und beseligt in dem Fünklein der Seele, das nie Zeit oder Raum berührt hat. Dieser Funke entzieht sich allen Kreaturen und will nur Gott, wie er an sich selbst ist."

In der Erkenntnis dieses unsterblichen Teils beginnt für den Menschen zugleich die Entdeckung seiner Autonomie, sich in Freiheit Gott und auch der Welt zuzuwenden: wenn die göttliche Erleuchtung in jedem Menschen zu jeder Zeit möglich ist, müssen auch alle Menschen gleich geschaffen sein.

"Menschtum ist am ärmsten und erbärmlichsten Menschen ebenso vollkommen wie an Papst oder Kaiser", sagt Meister Eckhart und fährt fort: "Der Mensch hat einen freien Willen, mit dem er Gutes und Böses wählen kann; und legt ihm Gott für das Übeltun den Tod und für das Rechttun das Leben zur Wahl vor, so soll der Mensch frei sein und Herr seiner Werke, unzerstört und ungezwungen."

Choralschola Scintilla animae

Wir haben uns aus den folgenden Gründen für diesen Namen entschieden:

- weil sich der Gebrauch des Wortes Scintilla animae von seinem Ausgang bei Hieronymus um 400 bis über Meister Eckhart hinaus in den Beginn der Neuzeit deckt mit der Zeit der Entstehung und Verwendung Gregorianischer Gesänge;

- weil es einen zentralen Punkt menschlicher Erfahrung, geistiger und geistlicher, benennt;

- weil es in sich die Freiheit des Menschen birgt, sich zu Gott und zu sich zu bekennen, und

- weil wir hoffen, diesem Anspruch nachgehen zu können.

Wir sind eine Gruppe von Sängerinnen und Sängern, die diese Tradition weiterführen möchte im Sinne der Ökumene. Wir sind offen für alle Gemeinden, die die Auseinandersetzung mit diesen zeitlosen Melodien für eine Bereicherung ihres Gottesdienstes ansehen.

Wir treffen uns in der Regel am ersten Sonnabend im Monat, um gemeinsam an neuen Aufgaben zu arbeiten und zu üben. Wer mitsingen möchte, ist sehr herzlich eingeladen.

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